Dagoretti & Mutuini Educational Center

21.02.2019

Mitten in Dagoretti, einem Armenviertel Nairobis, liegt das Projekt in dem wir hauptsächlich tätig sind. Dieses wird von den Don Bosco Sisters geleitet, zur Unterstützung sind dort auch Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und nun auch wir tätig. 

Im Projekt wird sich nicht nur um die Kinder, sondern auch um deren Familien, die zumeist nur aus Mutter und Kinder bestehen, gekümmert. Die Bevölkerung Dagorettis setzt sich aus Menschen ganz Kenias, sowie aus Ugandas und Ethiopiens zusammen. Die Hauptstraßen sind seit 2016 asphaltiert, die Nebenstraßen jedoch nicht, die auf Grund ihres Zustandes teilweise nur in Schritttempo befahrbar sind. Der Großteil der Wohngebiete (Slums) ist nur mit dem Motorrad oder zu Fuß erreichbar.

Gewohnt wird zu meist in Blechhütten, es gibt aber auch Häuser aus Ziegeln. Wir hatten bereits die Ehre die Wohnung eines Einheimischen besichtigen zu dürfen. Dabei handelte es sich um eine Blechhütte mit etwa 5m², in der er zur Miete wohnt.  

Um eben auch den Müttern der Kinder zu helfen, gibt es nicht nur das Litracyprogram, sondern auch eine Kunstwerkstatt, eine Schneiderei, einen Beauty Salon und Computerkurse. In diesen Bereichen werden die Frauen oder zum Teil auch junge Männer ohne Ausbildung unterrichtet und erhalten somit eine handfeste Ausbildung. Das schöne ist, dass die Frauen ihre Kinder zur Arbeit mitnehmen dürfen. Das heißt, es sind immer kleine Kinder oder sogar noch Babys auf dem Gelände unterwegs. Die Kleinsten haben zumeist etwas angst vor uns, weil sie den Anblick weißer Haut nicht gewohnt sind, aber nach wenigen Minuten Beschäftigung mit ihnen ist sie auch schon verschwunden. 

Das Litracy Program ist im Prinzip eine private Schule, die aus zwei Klassen besteht, in der Kinder aus sehr ärmlichen Verhältnissen unterrichtet werden. An der Kleidung und an den teilweise sehr vernarbten Köpern der Kindern kann man nur erahnen, welche Schicksale diese in sich tragen. Wie schon erwähnt, besteht dieses Programm nur aus zwei Klassen, aber jeder Schüler ist auf einem anderen Niveau. Es kann also sein das in einer Klasse vier verschiedene Schulstufen zugleich unterrichtet werden. Deswegen ist ein Teil unserer Aufgabe die Lehrer dort zu unterstützen. Haben die Kinder das Litracy Program geschafft, wird versucht die Kinder in eine Regelschule einzugliedern. 

Englischunterricht mit Friday
Englischunterricht mit Friday

Dabei sei noch kurz erwähnt, dass in Kenia grundsätzlich eine Schulpflicht besteht. Da aber einige Familien das Schulgeld nicht zusammenbekommen, verstecken sie die Kinder tagsüber zuhause. Erfährt die Polizei, dass die Kinder nicht zur Schule gehen, werden die Eltern verhaftet. Darum ist eine Schwester tagsüber immer in den Slums unterwegs und versucht eben solche Kinder aufzuspüren. Sie erzählte mir, dass dies nicht einfach ist, da mache Familien glauben sie arbeite mit dem Staat zusammen und sie könnten verhaftet werden. 


Am Wochenende spielt es sich dann richtig ab, wenn über hundert Kinder zum Oratorium kommen in dem gespielt, gesungen und gelernt wird. Auch hier sind wir tätig: Wir spielen Fußball, andere Spiele und unterstützten die Sisters beim Proben der Lieder. Denn nächstes Monat findet ein nationaler Wettbewerb im Singen statt, bei dem sie gut abschneiden möchten.

Außerdem finden sonntags drei Messen, direkt hintereinander, in der Kirche statt. Die Erste , die einzige in Englisch, beginnt um 7 Uhr und ist für Jugendliche gedacht. Die zweite ist für Kinder und die dritte für Erwachsene, jede der Messen dauert in etwa 1,5 Stunden. Es wird getrommelt, gesungen und getanzt, sodass mir die Messen nicht länger wie in Österreich vorkommen. Es sei auch noch erwähnt, dass es für uns kein muss ist in die Messe zu gehen. 

Jeden Sonntag nach der Kirche trifft sich die Jugendgruppe, die für junge Erwachsene bis 24 Jahren gedacht ist. Dies bietet für uns die Möglichkeit Leute im gleichen Alter kennen zulernen. Denn ganze Zeit nur mit den Sister und den Kindern zu reden stelle ich mir dann doch etwas anstrengend vor. 

Noch kurz zum MEC (Mutuini Educational Center), dieses besteht aus einem Kindergarten und einer Schule, es liegt ca.20 Gehminuten vom Projekt in Dagoretti entfernt. Dort sind wir auch untergebracht, mit eigenem Badezimmer und Küche. Wecker brauchen wir keinen, da unser Zimmer direkt neben Klassenzimmern liegt, sobald die ersten Kinder eintrudeln ist es mit dem Schlafen dann auch vorbei. Um in die Küche zu gelangen, müssen wir einmal über den Innenhof, dabei liegt dann auch die gesamte Aufmerksamkeit der Schüler/innen auf uns.

Weg nach Dagoretti
Weg nach Dagoretti

Der Weg nach Dagoretti führt uns mitten durch den Alltag der Einheimischen, vorbei an Shops, Streetfoodköchinnen und Leute die zur Arbeit, nach Hause oder zum Einkaufen unterwegs sind. Die Straßen sind voll von Kindern, die großes Interesse an uns haben, uns förmlich anstarren und immer wieder frage: "How are you?". Oft hört man aus weiter Ferne oder aus kleinen Gassen "mzungu", das so viel wie Europäer bedeutet, aber für alle nicht dunkelhäutigen Menschen verwendet wird. Mzungu kann, wenn es von Erwachsenen kommt, als diskriminierend empfunden werden, aber es kann einem auch liebevoll von den Kindern, die uns nicht kennen, entgegnet werden.


Soweit von mir und liebe Grüße aus Kenia!!